David nach Schweden – D-N-S?

David nach Schweden – D-N-S?

Ich könnte nahtlos an meinen letzten Blog anknüpfen und Liedtexte zitieren, die hier absolut Sinn machen würden.
Heute gehts aber kurz und knapp darum, was gerade passiert und da einige Leute gefragt hatten, was mit meinem „kryptsichen Nachrichten“ bei Instagram gemeint war; Here we go:

Wer mich seit längerem verfolgt weiß, dass ich mich über eine gute Trainingswoche oder einen guten Trainingsblock immer freue, aber gleichzeitig seit langem jede noch so gute Entwicklung mit ein klein Wenig Vorsicht genieße. Von Trainingsdaten kann man sich nichts kaufen, es gilt immer, diese Form auch am Wettkampf auf die Straße zu bringen. Ich wiederhole mich gerne mit dieser Aussage.

Die letzten Wochen vor Kalmar liefen gut, zuletzt sogar sehr gut. Vielleicht mal wieder kurz sogar zu gut?

Wie im letzten Blog erwähnt, war der Oberschenkel endlich schmerzfrei und die Trainingszeiten waren so, dass sie mir gute Aussichten für den Ironman gaben.

Das Ganze ging dann für zwei, drei Tage so.

Dann passierten zwei Dinge, unabhängig voneinander und beides mehr oder weniger zufällig, ohne dass ich vom Fahrrad gefallen wäre oder mich mit dem Küchenmesser geschnitten hätte:

Ich fügte meiner Rippe, welche im April gebrochen war, einen kleinen Schaden zu. Nicht so dramatisch wie damals, da dieses Mal kein Bruch, sondern nur ein kleiner „Knacks“. Ich konnte bzw kann Schwimmen, wenn auch nicht mit 100% Volumen und Intensität.

Ob es beim Wettkampf für 3.8 Kilometer reicht, kann ich jetzt gerade noch nicht beantworten und hier muss der ein oder andere Test kurz vor Samstag noch Aufschluss geben. Gleiches gilt für konzentriertes Fahren in Aero-Position, wo die Rippe natürlich auch stets gefordert ist.
Das gute hier: Ich kann unter normalen Umständen nichts kaputt machen. Im schlimmsten Fall tut es einfach nur weh, hindert mich bisschen bei der Atmung und mein linker Armzug beim Schwimmen sieht noch seltsamer aus, als ohnehin schon.
WIe ist das passiert? Es gibt mehrere Theorien. Ich sag mal: Freak-injury happening to a freak part 2.

Zweiter Punkt: Mein Wadenbeinkopf am linken Knie erlaubt mir seit (spätestens) Donnerstagabend kein Laufen mehr.

Im Alltag mit Schmerzmitteln (welche die Rippe ebenfalls benötigt) unter Kontrolle zu bekommen, ist es bei Belastung extrem schwierig bis aktuell unmöglich, hier einigermaßen anständig zu Laufen.

Auch beim Radfahren fühlt sich jede Erschütterung sehr schmerzhaft an und lässt aktuell wenig Fantasie für 180 Kilometer.

Heute sind wir auf Etappe 1 von 2 auf dem Weg Richtung Kalmar. Nach der Autofahrt hatte ich einen lockeren Lauf geplant, welcher schlichtweg nicht möglich war. Keine 3 Schritte, so gut kenne ich den Körper und so gut kann ich Schmerzen mittlerweile einschätzen, dass ich weiß, dass jeder Meter jetzt die Chancen auf einen Start am Samstag endgültig auf 0 setzen würden, so hoch und so scharf war der Schmerz beim ganz, ganz lockeren Anlaufen trotz Warm-Up.

Somit sieht die Woche nun anders aus, als geplant.

Anstelle von Einheiten zur Wettkampf-Vorbereitung steht tägliches Überprüfen, Mobilisieren, Dehnen und so weiter an. Also alles, was die Chancen auf den Start erhöhen kann.

Aktuell, so ehrlich und realistisch muss ich aber sein, sieht es nach einem „DNS“ aus, also danach, dass ich nicht an der Startlinie stehen werde.

Ein Ironman ist für mich kein „Once-In-A-Lifetime“-Traum, den ich dann auf Biegen und Brechen mit 13 Stunden ins Ziel bringe um zu sagen „hab ich gemacht“ und weil die Medaille schön an der Wand hängt und der Rucksack im Schwimmbad gut aussieht.

Wenn ich am Start stehe, muss ich zumindest die Chance sehen, eine gute Zeit rauszuholen. Wenn das dann nicht klappt, weil Schmerzen bei Kilometer 14 kommen, weil der Magen bei der zweiten Hälfte beim Marathon nicht mehr mitmacht, weil ein Platten auf dem Rad passiert – ist das völlig okay, das ist Sport.

Wenn es vorher bereits sicher ist, dass weder Schwimmen, noch Radfahren, noch Laufen einigermaßen „gut“ machbar sein werden, dann werde ich das akzeptieren müssen.

Natürlich ist meine Stimmung am Tiefpunkt und positive Dinge zu finden, zu lachen und Spaß am restlichen Leben (gibt es ja auch noch) zu haben ist schwierig. Irgendwie auch logisch, wenn man bedenkt, dass ich jeden Tag alles dafür tue, ich bestmöglicher Verfassung an der Startlinie zu sein, das dann sogar richtig gut aussieht und dann 10 Tage davor plötzlich unmöglich erscheint. Nach all dem, was mir die letzten Jahre verletzungsmäßig passiert ist, scheint das aktuell die vielleicht schlimmste Phase, auch wenn ich schon schwerere und langwierigere Verletzungen hatte.

Und dennoch: Lapidar gesagt – das Leben geht weiter. Nach Kalmar fahren wir auf jeden Fall, im „worst case“ wird es eben „nur“ ein Urlaub. Das ich dann am Samstag an der Strecke stehen werde, halte ich für unwahrscheinlich, aber das muss ich dann sehen.

In letzter Instanz muss man hier auch sagen, muss ich hier auch feststellen: Es ist „nur“ Triathlon, nur Sport. Und auch wenn es mein Leben aktuell definiert, bringt es nichts, deshalb den Kopf im Sand zu begraben und mit der Schaufel auch noch mehr Sand drauf zu schütten. Das Leben ist ja eigentlich ganz schön, auch wenn man das dann manchmal nicht mehr sehen kann und will in dieser Situation.

Anyway. Noch ist nicht Samstag! Noch ist nicht mal ganz „Raceweek“. Noch ist genug Zeit, schmerzfrei zu werden.

Dann denke ich an letztes Jahr zurück, wo Cam Wurf plötzlich auf der Startlinie stand und nachher in seinem Blog geschrieben hatte, dass er aufgrund Covid-Impfung sicherheitshalber 3 volle Tage nicht trainiert hatte, sondern mit Hund und Family Urlaub rund um Kopenhagen machte. Er hatte kein ganz so schlechtes Rennen 😉

Und natürlich hätte ich warten können mit dem Update, bis klar ist, was am Samstag passiert. Aber irgendwie tut es auch gut, so etwas zu teilen und zu zeigen, aus welchen Höhen und Tiefen eine Wettkampf-Vorbereitung bestehen kann und manchmal besteht. Ich bin keiner, der am Start steht und dann nachher sagt „naja, eigentlich hatte ich ja schon seit 3,7 Tagen eine laufende Nase und deshalb…“.

Über ein Tief habe ich jetzt genug geschrieben. Grund genug, dass der nächste Blog ein bisschen mehr aus Höhen besteht 😉
Abwarten, nach Schweden fahren und… abwarten.

Bis dahin, bleibt sportlich und danke fürs Lesen und für die Nachrichten!

David

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