Auf welchem Ticket reist du?
Zwischen Profi-Anspruch, Coaching-Verantwortung und der Frage, wie viel wirklich geht
Wenn du im Vertrieb eine Spaßfahrt mit Kunden machst, dann – so hat es mir mein damaliger Chef vor Jahren erklärt – musst du der Erste beim Frühstück sein, der Letzte an der Hotelbar, der mit der besten Laune rund um die Uhr und immer verfügbar.
So ähnlich ist das im Trainingslager auch. Nur freiwilliger – und ohne Sixpack von der Tanke. Dafür anderswo.
Grundsätzlich geht es mir dabei ähnlich wie früher in meinem letzten halbwegs seriösen Job (und das ist mittlerweile echt lange, lange her! Man könnte meinen, ich werde alt 😉 ):
Der Erste beim Warm-up bzw. im Pool, Coaching am Beckenrand – mit guter Laune und gleichzeitig der nötigen Ernsthaftigkeit. Tagsüber mit dem größten Trainingspensum, abends präsent beim Essen und mit bester Stimmung in Gesprächen für den nächsten Tag. Änderungswünsche werden brav bis 23:30 bearbeitet.
Um 5:35 klingelt der Wecker. Der Pool wartet.

Perfekte Bedinungen im Hoposa Villaconcha.
Klingt anstrengend – ist es auch. Und gleichzeitig einfach nur gut.
Ich habe diese zwei Wochen mit extrem viel Freude verbracht. Der Grund? Die Leute. Unterschiedliche Charaktere, klar. Aber dieses Miteinander, diese Community, der Ehrgeiz und die Lust auf Training – das pusht mich selbst noch einmal ein paar Prozent mehr.
Es war mein bisher größtes Trainingslager, und ich hatte großen Respekt vor der Größe und Diversität der Gruppen. Dass das über zwei Wochen so gut funktionieren würde, hatte ich nicht erwartet.
Auch trainingstechnisch hatte ich konservativer geplant, weil ich den Gesamt-Load nicht exakt einschätzen konnte. Klare Reize, klare Ziele – aber bewusst weniger Stunden.
Aber letztendlich kommt es darauf an, auf welchem Ticket man reist. Auf meinem steht zuerst Profi-Triathlet, dann Coach. Meine Leute wissen, dass ich selbst trainieren muss – und das hat Priorität.
Ich bin auch außerhalb vom Trainingslager nicht 24/7 am Laptop und warte auf Nachrichten. Ich bin jeden Tag erreichbar, ja. Aber Training first. Coaching second.

Denn wenn ich nicht funktioniere, funktioniert auch GETactive nicht optimal.
Ich habe das in den letzten beiden Trainingslagern selbst erlebt, als ich verletzt war.
Dass ich dieses Mal so gut trainieren konnte, lag auch am Spirit der Gruppe: Es gab viele Momente mit starkem Support. Meine Swim-Session ging länger – kein Problem, Warm-up wurde eigenständig gestartet. Spontane Begleitung beim Long Run. Oder jemand übernimmt Verantwortung auf dem Rad.
Das ich in beiden Wochen über 30 Stunden trainieren konnte und diese gut adaptieren/regenerieren konnte, ist für mich selber natürlich extrem wertvoll.
Das heißt nicht, dass ich nicht involviert und absolut motiviert bin alles im Coaching zu geben – im Gegenteil. Ich glaube, ich nerve manchmal sogar ein bisschen, wenn ich Potenzial sehe.
Es gab keinen Tag, an dem ich keine Coaching-Sessions hatte – meist mehrfach am Tag am Pool und im Gym.
Wir waren dieses Jahr zum ersten Mal im Hotel – und das war anders als die Vorjahre, aber großartig. Kurze Wege, effizientes Training und Coaching.
2020 war ich alleine in Port de Pollenca. Hätte mir damals jemand gesagt, dass GETactive 2026 eine Marke ist und ich mit so einer Gruppe ins Camp fliege – ich hätte es genommen und nicht für ganz machbar gehalten.
Ich bin stolz auf diese Entwicklung. Und auf die vielen Menschen, mit denen ich arbeiten durfte und darf. Vor allem auch auf die „Veteranen“, die immer wieder dabei sind. Genau diese Leute tragen eine Gruppe.
Das bleibt mein Anspruch: keine Massenabfertigung, keine acht Leute pro Bahn ohne Individualität. Ich will wissen, wie es „meinen“ Athlet:innen geht – auch denen zu Hause. Das gehört dazu.
Unabhängig vom Sportlichen war es einfach schön, so viele lachende Gesichter zu sehen.
Klar habe ich auch hier und da Fehler gemacht – und ich muss professioneller werden und ab und an auch Dinge tiefer vorbereiten. Es ist nicht mehr diese kleine Truppe von früher „nur“ mit Vale, Martin und Mike. Heißt manchmal: Erst denken, dann reden. Bei mir gilt sehr häufig das Gegenteil. Mit meinem gelb-roten Persönlichkeitsmodell bin ich da nahezu unschuldig und neige eben dazu 😉

Machen wir das wieder? Hoffentlich und höchstwahrscheinlich.
Ob es möglich ist, hängt von vielen Faktoren ab. In erster Linie eben auch von mir selber und ob mein Körper funktioniert.
Nicht zuletzt auch von äußeren Umständen. In der aktuellen weltweiten Lage ist es ein Luxus, zwei Wochen für ein Trainingslager zu reisen. Das sollte man nicht vergessen.
Aber ja, ich bin bereits in der Vorplanung.
Apropos körperlich.
Es war das erste Camp, in das ich voll fit in den Flieger gestiegen bin. Allein das war ein starkes Gefühl – endlich ehrlich sagen zu können, dass es mir gut geht, wenn die Frage von jemanden kam.
Ein Jahr ohne Verletzung hinterlässt seine Spuren. Im positiven Sinn.
Meine Belastbarkeit ist auf einem ganz anderen Level als vor fünf Jahren. Ich habe extrem hart dafür gearbeitet. Gleichzeitig spüre ich mittlerweile sehr früh, wenn etwas nicht 100% passt. Kleine Themen wie eine LWS-Blockade oder ein blockiertes Gelenk kann ich mittlerweile oft direkt selbst lösen und vermeide so ernstere Verletzungen. Ich weiß, wo ich triggern muss, damit ein Schmerz an anderer Stelle sofort nachlässt.
Ich hatte Vale`s Worte von einem vergangenen Trainingslager noch im Ohr, als er meine „off season shape“ nach dem Schwimmen unter der Dusche ins Auge nahm. Ich habe da grundsätzlich kein Problem damit, aber im Hinterkopf speichert sich sowas bei mir ab und meine 5x pro Woche Gym über den Winter waren nicht immer pures Vergnügen.
Auch meine Entscheidungsqualität hat sich verändert. Ich bin quasi weise geworden und habe eine absolute Ruhe entwickelt und verlass mich drauf, dass es funktioniert und das auch mal weniger mehr ist. Ich weiß besser, wann ich pushen kann – und wann es sinnvoller ist, einen Gang rauszunehmen.

Und natürlich spielt Konstanz eine riesige Rolle:
„Raise the floor, don’t just focus on the ceiling.“
Nicht die eine perfekte Einheit zählt, sondern die vielen soliden Einheiten.
In den letzten Jahren habe ich den Saisonstart oft eher „probiert“. Dieses Jahr fühlt es sich anders an.
Wenn nächste Woche ein Ironman wäre – ich wäre startklar. (Keine Sorge: ist er nicht.)
Jetzt geht es darum, das Level zu halten und gezielt weiterzuentwickeln. Fokus: Handling auf dem Zeitfahrrad und für die Mitteldistanz noch etwas Speed herzaubern.
Also: stabil bleiben, weiterarbeiten. Im Zweifel über Nacht ins Gefrierfach legen und morgens wieder auftauen.
In vier Wochen ist Saisonstart: Mitteldistanz. Spanien, mal wieder.
Stay tuned.
Danke an (*Namen per KI zufällig sortiert um auf Nummer Sicher zu gehen! 😉 ) Tom, Felicitas, Christian, Nadja, Vale, Robert, Anita, Thomas, Vroni, Jan, Sabine, Martin, Christine, Frank für diese zwei Wochen.
Danke an Annalena für die Organisation und das Zuhause die Stellung halten!
Und danke an Ralph (TBS), Flo (IV Holubek) und meine Eltern (SHK) für die vorgezogenen Sponsoring-Zahlungen. Ohne euch hätte ich eine kurzfristige finanzielle Lücke (oder sagen wir Abgrund), die das Finanzamt mal eben spontan aufgemacht hatte, nicht schließen können. Um den Kreis rund zu machen: Danke auch an Aprovis, ihr seid eh immer die ersten jedes Jahr 😉
Sportliche Grüße und happy training!
David

Danke an Nadja für die 2 Yoga-Sessions! Irgendeine Herausforderung habe ich ja auch gebraucht 😉