When Reality Kills The Training Star

When Reality Kills The Training Star

Auch wenn es der Blog-Titel anders vermuten lassen würde: Keine Sorge, mir geht’s gut und ich bin im Trainingslager auf Fuerteventura angekommen und habe schon die ersten Einheiten hinter mir.

Zwei Wochen werde ich hier mit meinem Trainer Gerald Dygryn und einigen seiner GDT Athletinnen und Athleten zusammen trainieren und freue mich vor allem mal auf zwei Wochen „Indoor-Frei“, nachdem die ersten 6 Wochen des Jahres doch viel von Hallenbad und Indoor-Rad geprägt waren und sich auch die ein oder andere Laufband Einheit nicht verhindern ließ.

Als ich den letzten Blog geschrieben hatte, erzählte ich ja über die aktuelle Trainingssituation und darüber, dass generell das Training aktuell gut läuft.
Was ich nicht erzählte: Ich hatte in diesem Moment überhaupt nicht trainiert.

Es sah tatsächlich eher nach Pause, als nach solidem dreiwöchigem Trainingsblock aus.


Kurze Pause zwischen zwei Einheiten am ersten Trainingstag im Camp mit GDT im Las Playitas auf Fuerteventura.

Aber der Reihe nach:

Schmerz ist (bei mir zumindest) völlig normal. Ich kenne fast keinen Tag mehr, wo ich in der Früh komplett schmerzfrei aufstehe und nicht irgendetwas vom Vortag oder den letzten Einheiten „geschädigt“ ist.
Hier geht es jeden Morgen darum, eine kurze Bestandsanalyse zu machen: Was tut weh? Ist es muskulär? Ist es vielleicht einfach normal, weil ich gestern Intervalle gelaufen bin?
Meistens ist es so, dass es einfach normale Begleiterscheinungen sind, die auch notwendig sind, um neue Reize zu setzen.
Wenn ich neue Gewichte auf die Langhantel lege, zwei Intervalle mehr laufe oder einfach nur, weil es eine lange harte Trainingswoche war.

Hier geht es aber eben auch darum, den guten und normalen Schmerz vom „bösen“ Verletzungsschmerz zu unterscheiden.

Eine Sache, die bei mir mittlerweile automatisch stattfindet und eigentlich weiß ich in der Früh wenn ich die Overnight-Oats fertig präpariere bereits, ob hier eine Verletzung im Anmarsch ist, ober ob die erste Einheit des Tages Besserung bringen wird.

Meine Unterscheidungen gehen dabei von „normale Müdigkeit“ über „zu hohe Belastung gestern“ bzw „sehr hohe Gesamtbelastung“ bis zu „falsche Bewegung im Training oder Alltag und daraus resultierender Schmerz“ und „da passt was nicht – hier muss ich handeln / pausieren“.

Es ist also ein weites Spektrum von „tut halt einfach bisschen weh und ist normal“ bishin zu „oh Mann… jetzt geht gar nichts mehr“.

Der letzte Fall war das erste mal eingetroffen, als ich 2020 meine Stressfraktur hatte und das bisher letzte Mal, als ich im April 2021 meine Schambeinentzündung mit den Adduktorenschmerzen hatte.
Im November 2020 hatte ich eine schwer zu definierende Sache am Wadenbein, die aber langfristig geholfen hat, den „Standard-Lösungsweg“ herauszuarbeiten.:
Damals war es die erste „Verletzung“ (Die „“ deshalb, weil es damals tatsächlich einfach wieder verschwunden war) die ich mit Gerald „zusammen“ hatte und seit dem existiert nur dieser eine und gleiche Weg:

  • Zustand: Was tut weh? Woher kann der Schmerz kommen? (Quasi der oben beschriebene Weg)
  • Falls es sich nach Verletzung anfühlt (das kann erstmal nur ich alleine entscheiden): TRAININGSPAUSE (gilt für die Bewegungen, die zum Schmerz führen) + schnellstmögliche DIAGNOSE + THERAPIE + Welche SPORTART kann ich aktuell ausführen, ohne die Verletzung zu verschlimmern?

Dieses Mal, vor ca 4 Wochen, fühlte es sich verdammt ähnlich an wie im April 2021:
Schmerz beim Auftreten links, irgendwie muskulär, aber irgendwie auch Adduktoren – schwer greifbar.

Sofort machte ich einen Termin in der Praxis Müller-Wohlfahrt aus, wo ich seit Frühjahr letzten Jahres ja (gerne) regelmäßiger Gast bin.

Termin bekommen und genauso schnell wieder abgesagt: Corona-Fall in der Praxis.

Was nun tun?!

Ich pausierte komplett für den ersten Tag. Komplette Pause, da beim Gehen, Laufen, Schwimmen, Radfahren… eigentlich bei jeder Bewegung der Schmerz da war und sich immer zwischen 7-9 von 1-10 bewegt hatte.
Tag zwei und Tag drei brachten keine Besserung, der Arzttermin frühestens nach dem Wochenende.

Aber hier kommt der entscheidende Punkt aller Verletzungen
Daraus zu lernen ist das wichtigste und das einzig positive daran!

Ich erinnerte mich, wie mir letztes Jahr in der Praxis MW der Zusammenhang zwischen Rücken (Lendenwirbelsäule und Wirbelsäule) und dem Rest des Körpers – speziell meinem Oberschenkel erklärt wurde und wie Müller-Wohlfahrt damals meinte, wir müssen die „Ursache“ nicht das „Symptom“ behandeln.

Es machte klick bei mir und ich fragte bei meiner abendlichen Physio Einheit bei Sonja, ob sie irgendetwas an der LWS erkennen könne.

Tatsächlich schien etwas leicht verdreht. In diesem Moment „wusste“ ich, dass das einzige was helfen würde, eine Manipulation der LWS sein würde – genauso wie letztes Jahr.
Ich erinnerte mich, wie Matze (Bei dem ich auch regelmäßig in Physio-Behandlung war. Seit November schreibt er mir meine Pläne fürs Athletiktraining) meinte „er könne das auch, darf es halt in der Praxis nicht“.

In einer Nacht und Nebelaktion bin ich nach Feierabend bei ihm vorbei und lag daheim auf seiner Liege. Über Sonja war bei ihm bereits alles nötige an „Diagnose“ eingetroffen und er wusste, was zu tun war.

Sein holländischer Akzent kommt nicht an den von Hub Westhovens ran und die Geschichten über den TSV Rain sind nicht 100% gleichwertig gegenüber denen von Real Madrid, Bayern und Olympiagold – aber: Der Effekt war der gleiche! Lendenwirbel manipuliert, der Schmerz war am nächsten Tag noch bei einer 2 von 1-10.

Am Tag darauf hatte ich ein Laufcoaching, bei dem ich nervöser war als beide anwesenden Läuferinnen, da ich nicht wusste, ob es „halten“ würde. Aber auch hier konnte ich unbeschadet wieder abreisen und am nächsten Tag saß ich bereits 2 Stunden auf dem Gravelbike und erfreute mich gefrorenen Fingern.

Dieser „After-Work“ Eingriff war vielleicht eine Kleinigkeit für Matze. Für mich war es die Welt. Es war die Lösung auf das Problem und ich gab Gerald grünes Licht zur Planung des Trainings ab Montag. Nur ein voller 3 Wochen-Block vor Fuerte könnte die „verlorenen“ drei Tage noch retten bzw gut kompensieren.

Es gibt ja so Sachen, die kannst du mit Geld nicht kaufen: So ein Termin, gehört für mich definitiv in diese Kategorie!


Lauf mit kombinierter Kraft Einheit 😉

Trotz der ganzen Misere (wahrscheinlich klingt es für die/den Leser/in) nur absolut halb-spannend, aber lieg mal da spätabends und hab schon drei Tage Pause hinter dir. Es zählt jeder Tag… jeder Tag Pause in dieser Phase des Trainings ist halt tödlich für die gesamte Saison wenn du im Mai einen Wettkampf seriös abliefern willst.) folgte der beste, längste und vielleicht härteste Trainingsblock für mich, den ich je abliefern konnte mit dem besten und konstantesten Energielevel, was ich je hatte.

3 Woche a 30+ Stunden, neue Bestwerte bei Intervallen auf dem Rad, Laufbahnintervalle, die sich wieder gut angefühlt haben, Rekorde beim Schwimmen (für mich) und so weiter.

Selbst Gerald fragte nach 3 Wochen, wie das so gut, so energiereich möglich war.

Ich denke die Antwort ist (auch) in dieser kurzen aber intensiven Verletzungsgeschichte versteckt:
Wenn dir jemand etwas wegnimmt, dann willst du das wieder haben. Wenn du etwas nicht machen kannst, dann willst du gerade genau das machen.

Und ich war so frustriert, so genervt am zweiten und dritten Tag, dass ich dieses Gefühl in den Trainingsblock mitnehmen konnte.
Ich hatte im Dezember auch anständig trainiert, aber bei den ganz harten Intensitäten konnte ich teils nicht so weit gehen, wie ich eigentlich gesollt und gewollt hätte.

Plötzlich war das (wieder) möglich, weil das Mindset diesen kleinen Schubs bekommen hatte.
Klingt nach faulem Sportler, das will ich damit nicht sagen: Aber es macht eben einen Unterschied, ob du nochmal 5 Pulsschläge weiter nach oben kommst und ob du die Einheit nicht einfach nur grün haben willst, sondern „perfekt“ erledigt.

Ich kann diesen Rat auch nur an jede und jeden geben:
Verletzungen sind okay. Sie passieren. Teilweise mit, teilweise ohne Begründung. Aber, wo gearbeitet wird, fallen Späne.

Das entscheidende ist: Die Einstellung währenddessen und danach.
Die Ursache finden ist der größte Schlüssel. In den Körper hineinhören, wie schlimm etwas ist und woher es rühren könnte genauso.

Und dann mit der „never say die“ Einstellung in die nächste volle Trainingswoche gehen.

Ich denke der zweite Grund für die tollen Leistungen im Training war, dass mein Fokus zu 100% dem Training gewidmet war. Trainieren, Essen und Schlafen – viel mehr habe ich nicht gemacht und dieser Fokus ist oft entscheidend und unterscheidet, ob man am Ende der Woche noch Super-Leistungen bringen kann, oder die Ermüdung einem zum Hals raushängt.


Beim Krafttraining.
Matzes liebevoll gestaltete Hausaufgaben gibt`s jede Woche für mich. 😉

Wenn ich dann irgendwelche Feiern mit Freunden, Geburtstage in der Familie oder einfach das „Teilnehmen am normalen Leben“ dann verpasse, dann gehört das dazu und ist für mich eh längst Normalität geworden für den Großteil des Jahres. (Ein bisschen persönlicher Lockdown geht immer 😉)

So, nun ist jeder wieder auf dem aktuellen Stand.
Die nächsten zwei Wochen werden ganz wichtig für die folgende Saison und ich freue mich sehr darauf zum einen in der Sonne, zum anderen aber mit ein paar anderen guten Leuten zu trainieren und mir die Einheiten um die Ohren zu hauen.

Ich berichte von der Insel wenn es die Zeit zulässt, ansonsten gibt’s ein paar aktuelle Einblicke natürlich wie gewohnt bei Instagram.

Bleibt gesund und negativ!

David

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