Ready. Nicht perfekt – aber bereit.

Ready. Nicht perfekt – aber bereit.

Hallo again!

Kennst du das Gefühl, wenn du im Flugzeug sitzt und so vertieft am Arbeiten bist, dass du gar nicht mitbekommst, dass es auf die Landung zugeht – und dir dann der Laptop fast schon aus der Hand gerissen wird, weil jetzt wirklich gelandet wird?

So ungefähr fühlte sich meine Vorbereitung an. Den Wettkampf in Peñíscola nie wirklich im Blick, maximal ein Auge drauf.

Ziel ist Klagenfurt – dieser Sonntag wird aber ein erster Test, was aktuell möglich ist. Und: natürlich 100 % ernst genommen. Das wichtigste Rennen ist immer das nächste!

Es ist also Raceweek. Die von außen oft als „langweilig“ betrachtete Zeit im Triathlon ist für mich vorbei – und das so früh im Jahr wie noch nie zuvor.

Wenn du die letzten Wochen mit mir zu tun hattest, weißt du: Ich bin sehr gut drauf. Hervorragend, tatsächlich. Die Vorbereitung lief gut, körperlich gab es bis auf ein bisschen Trouble mit der Wirbelsäule nahezu keine Probleme. Ich habe seit April 2025 sehr solide trainieren können – mit ein paar wenigen üblichen Kleinigkeiten, die dazugehören.

Dieser Wettkampf kommt nun vielleicht sogar einen Tick zu spät. Timing ist bekanntlich nicht das Einfachste. Ich musste schon im Trainingslager im März gegensteuern, um nicht zu früh bei 10/10 zu sein. 11/10 geht nicht. Es geht nur wieder auf 9.

Eine Woche früher wäre vielleicht „perfekter“ gewesen. Aber perfekt gibt es nicht.

Apropos perfekt: Ich kann es doch noch – ein bisschen Drama draus machen.

Ein grippaler Infekt legt mich heute lahm.

Sonntag und Montag dachte ich noch, es wären Allergie und Pollen. Heute bin ich mir sicher: da ist mehr. Ich weiß nicht, ob ich mir das nach meinem Vortrag letzte Woche aus der Grundschule mitgebracht habe oder ob es einfach ein Tick zu viel Stress war und sich der Körper die Pause nimmt, die er braucht.

Heute bekommt er sie. Kein Training.

Ich hoffe, dass ich mit viel Schlaf und Ruhe morgen – spätestens Donnerstag – wieder einsteigen kann und mich noch einmal sauber auf Sonntag vorbereite.

Letztendlich gilt auch hier: Ein, zwei Tage Ausfall machen keine wochenlange gute Arbeit kaputt. Was ich aber merken würde, wäre ein verschleppter Infekt – also lieber vorsichtig.

Ich war in Almere mit Fieber und Schüttelfrost am Start. Das war im Nachhinein gar nicht so toll. Auf der Heimfahrt aus Holland habe ich nicht mal gemerkt, dass mir jemand beide Hinterreifen locker geschraubt hatte. (Kein Witz.)


Für meinen Geschmack ein zu langer Indoor Frühling. Zeit für konstantes Wetter! Spotify und Youtube sind jetzt langsam leer.

Zurück zum Eigentlichen – die Rotz-Phase mal ausgeblendet:

Es geht nicht nur um die reine körperliche Form, sondern auch um die mentale Verfassung.

Ich kenne vor Wettkämpfen genau zwei Zustände: Angst oder eine gewisse Aggressivität. Letzteres ist das gute – das brauchst du für Höchstleistung.

Ersteres hatte ich letztes Jahr vor Hof und Turku. Das ist unangenehm und hemmt. Gleichzeitig war es nach der langen Wettkampfpause normal.

Jetzt ist es anders.

Diese Angriffslust begleitet mich seit Wochen. Ein paar Leute haben das auch abbekommen – ohne dass ich es wollte. Passiert.

Zeigt: ready to race. Nicht unbedingt ready für einen Kindergeburtstag. (Wobei auch das mit bewusstem Umschalten noch ganz gut klappt.)

Es ist seit Ewigkeiten mal wieder ein gutes Gefühl, an den Start zu gehen. Die Leistungswerte sind da – und nicht so, dass du von vornherein weißt, es wird ein reiner Abstiegskampf.

Meine Priorität der letzten Monate war klar: so weit wie möglich kommen.

Da gibt es wenig Kompromisse.

Einmal bin ich sogar aus einem Schwimmbad während der Einheit geflohen und ins nächste gefahren. Das hatte ich noch nie. Auf der einen Seite traurig, dass Dinge manchmal nicht funktionieren – auf der anderen Seite ein klares Zeichen: Das Feuer brennt auf der richtigen Temperatur.


Läuferisch wieder auf dem Niveau von September 2023. Hat nur 2.5 Jahre gedauert!

Auch im restlichen Training:

Viel lief nach Plan. Besonders beim Laufen konnte ich endlich wieder so trainieren, wie ich es brauche – nicht nur so, wie es gerade geht.

Jeden Dienstag Schwellenintervalle. 4×10, 4×12 – immer ähnlich. Repetition as the source of excellence.

Letzte Woche haben sich 4×12 Minuten in 3:28/km fast schon unheimlich locker angefühlt.

Bei der letzten Koppeleinheit (Start erst um 15:30, entsprechend mit Magenproblemen) konnte ich nach 100 km Rad 3:33–3:35 laufen. Schnell, wenn auch nicht schnell genug für eine Top-Mitteldistanz.

Da das Ziel Ironman ist, passt das. Ich musste jonglieren: so schnell wie möglich für Peniscola – mit möglichst wenig Einbußen für die Langdistanz (Thema Effizienz).

Beim Schwimmen gab es regelmäßig „best ever“-Sessions. Letzte Woche noch einmal gezielt Zone 5 mit Zone 4 kombiniert und 1:10 / 100 bzw. 1:16 / 100 geschwommen.

Schnell – aber auch hier: noch nicht Top-Niveau, besonders für eine Mitteldistanz.

Und dann kommt am folgenden Tag typisches, ehrliches Feedback von Lukasz – und holt dich direkt wieder auf den Boden der Tatsachen.
Immer noch so viel Potential im Wasser! Genau das braucht man. (Das meine ich ernst.)

Beim Radfahren geht es um zwei Dinge:

Watt – die sind Richtung Langdistanz fast da. Für die Mitteldistanz fehlen vermutlich 10–15 Watt.

Handling – und das war dieses Jahr deutlich besser. Position und kleines Equipment-Tuning könnten sich auszahlen.

Da mein Körpergewicht jetzt bei knapp unter 65 ist, kommen die Watt/Kilo nochmal ein bisschen „leichter“ ums Eck, aber selbst wenn ich die 270 durchschnittlich schaffen würde, wäre das wahrscheinlich nicht genug, um beim Rad ganz vorne mitzufahren. Manchmal glaube (hoffe?) ich einfach, mein Wattmesser zeigt zu wenig an – dann habe ich etwas Interpretationsspielraum. 😉

Unterm Strich:

Der Plan seit November ist voll aufgegangen.

Ich bin im Winter bewusst ins Risiko gegangen. Viel Krafttraining (7x pro Woche teilweise), viel Umfang. Zwischenzeitlich stand ich im Januar mit 75 kg da – wie ein kleiner Berggorilla.

Viele würden da nervös werden. Ich habe in den Prozess / Plan vertraut.

Und es zahlt sich aus:

Die Belastbarkeit ist auf einem neuen Level. Noch nie konnte ich im Frühling so konstant und viel laufen.

Das ist keine spontane Entwicklung – daran arbeite ich seit Ende 2022, als ich das Jahr frustriert mit 4 Frakturen und nur zwei Wettkämpfen beendet hatte.
Eigentlich war ich im Januar 2024 schon mal da, wo ich heute bin. Das es aufgrund 1x umknicken 2 Jahre dauern würde um nochmal dahinzukommen, wusste ich zum Glück nicht.


Spaß auf dem TT Bike im April hatte ich selten schon im Frühjahr, aufgrund der Umgewöhnung vom Rennrad. Dieses Jahr tatsächlich eine sehr erfreuliche Sache!
Foto: Christian Zwiekopf

Erwartungen an Sonntag

Ich will einen normalen Tag und meine Leistung abrufen.

Kein Materialproblem. Kein Drama und mal keine überfluteten spanischen Straßen.

Wenn der Magen hält → sehr guter Tag. Wenn nicht → guter Tag.

Ich kuriere mich jetzt aus, schlafe viel und vertraue auf die Basics.

Auch wenn die Vorbereitung nach außen „smooth“ wirkte – es war schon auch viel chaos in the kitchen.

Da macht ein bisschen grüner Rotz jetzt wirklich nichts mehr.

Also: let’s do this.

Falls du es verfolgen willst: Infinitri Sports App Startnummer 16

Vale ist auch am Start (318) – Comeback nach langer Pause.

Danke fürs Lesen!

Sportliche Grüße und hasta pronto, David

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