Kleiner Jahresrückblick Teil 3

Kleiner Jahresrückblick Teil 3

August:

Auch „schlechte“ Jahre haben ja irgendwo ein Highlight.

Selbst dieser Tag war dieses Jahr nicht so, wie geplant, aber dennoch ein Tag, der an die Spitze der Top 5 gehört.

Am 29.08. stand unsere Hochzeit an. Zwischenzeitlich hatten wir alles – Corona bedingt – abgesagt um es im Zuge der Lockerungswellen im Sommer wieder kurzfristig neu aufzurollen. Deutlich kleiner, weniger Gäste, bisschen mehr „Hygienekonzept“ (was natürlich nach zwei Gläsern Wein noch uninteressanter war, als davor) und vor allem mit der Hoffnung, nicht ein paar Tage später in der Zeitung als „Superspreader-Event“ zu stehen.

Im Endeffekt hatten wir trotz (relativ viel, jedoch weniger als vorher angesagt) Regen und Rückenschmerzen (meinerseits) eine tolle Feier im Kreis der engsten Familie und Freunde und wenn man sich die aktuellen Entwicklungen so ansieht, sind wir umso mehr froh, dass wir es nicht auf 2021 verschoben haben. Annalena und ich hatten uns beide keinen „super besonderen“ Tag ausgemalt oder zu hohe Erwartungen gestellt. Umso schöner war es dann, dass es doch eine lockere Feier geworden war und wir beide so zumindest mit einem positven Auge auf das Jahr 2020 zurückschauen werden.

Eine der absolut positiven Seiten der Verletzung übrigens: Ich konnte bis in die früh feiern, ohne umzufallen und ohne, dass der Kater am nächsten Tag ein Problem war! ; )

Trainiert hatte ich in dem Monat mehr nach Lust und Laune, drehte einige lockere und längere Runden auf dem Rad und durfte mittlerweile für kurze Einheiten auf das Laufband.


Die ersten Laufeinheiten gingen nur auf dem Laufband aufgrund der besseren Dämpfung.

September:

Wenige Tage nach der Hochzeit stand noch einmal ein CT an, um die Entwicklung der Fraktur zu kontrollieren. Tatsächlich war eine sehr gute Heilung – und vor allem kein Rückfall – zu erkennen.

Das „Bild“ war für meinen Kopf extrem wichtig, da ich Mitte September mit dem Training langsam wieder loselegen wollte.

Die ersten Laufeinheiten draußen fühlten sich extrem seltsam an. Der Körper sehr rostig, der Kopf hat bei jedem dritten Schritt gefragt, ob da nicht noch etwas wehtut… echt eine seltsame Geschichte.



Oktober:

Das Training lief mal gut, mal weniger gut. Beim Laufen hatte ich immer mal wieder meine Schwierigkeiten, die ich eigentlich so nicht kannte.

Letztendlich hatte sich in der Auszeit (messbar) so viel Muskulatur zurückgebildet, dass diese nun fehlte, den Körper beim Laufen zu unterstützen.

Dennoch wollte ich die 2 Wochen nach Frankreich fahren, um noch ein paar schöne Einheiten in der Sonne zu haben und vielleicht hier die Unbeschwertheit zurückzugewinnen.

Auf dem Rad klappte das zeitweise ganz gut und die vielen Höhenmeter taten wirklich gut, auch wenn sich hier auch wieder die (fehlende) Muskulatur zeigte. Weit weg von irgendwelchen Leistungswerten aus dem Frühjahr war ich, aber dennoch war es soweit okay.

In den letzten Tagen in Frankreich merkte ich, wie sich –  zum ersten Mal überhaupt – meine Motivation irgendwie versteckte. Ein Regentag kam genau richtig und ich dachte viel über die vergangene Saison und über das kommende Jahr nach.

Ich hatte sehr, sehr viel Recherche betrieben, wie es zu Verletzung- wie etwa einer Stressfraktur – kommen konnte und viel über das Zusammenspiel von Be- und Entlastung, Trainingssteuerung, hormonelle Veränderungen durch „falsches“ bzw. einseitiges Training gelernt.

Es war eine der letzten lange Radtouren, die mich wieder einmal auf den Col de Vence führte, bei der ich die Entscheidung traf, mich von meinem bisherigen Trainer Tony Persson zu trennen.

Nicht deshalb, weil dieses Jahr eben einiges schief gelaufen war, sondern weil ich das Gefühl hatte, einen neuen Impuls zu brauchen.

Wir fuhren zurück nach Hause und ich nahm mir vor, im November einige Gespräche mit potentiellen Trainern zu führen.



November und Dezember

Anfang November führte ich ein solches Gespräch mit Gerald Dygryn, einem sehr erfahrenen und erfolgreichen Trainer aus Österreich. Es machte weitere Gedanken und Gespräche überflüssig: Wir merkten sehr schnell, dass wir auf einer Wellenlänge sind, was die Ziele und Möglichkeiten zu deren Erreichung angeht und es dauerte keine zwei Wochen, eh wir unsere Zusammenarbeit starteten.

Am 16.11. stieg ich wieder ins Training ein und bin echt begeistert von dem detaillierten Ansatz, den Gerald hat.

Die Philosophie des Trainings ist eine andere, als davor – ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam Erfolg haben werden. Wie viel davon nächstes Jahr bereits zu sehen sein wird, das lässt sich noch nicht genau sagen. Aber: Es gibt ja zur Not auch ein übernächstes Jahr ; )

Ich fühle mich aktuell fitter und „kompletter“ als je zuvor. Auch wenn wir erst seit 4 Wochen zusammenarbeiten, die vielen Einheiten, die ich davor bereits für die Muskulatur absolviert hatte, zeigen Wirkung und ich fühle mich beim Radfahren und beim Laufen wieder extrem stabil.

Übungen für die Kraft und Stabilität sind in jeder Woche ein regelmäßiges Thema und stehen deutlich mehr im Fokus, als davor.

Klar, man freut sich als Triathlet mehr, wenn man mal 100 Kilometer in der Woche Laufen war, als eine oder zwei Stunden mehr im Kraftraum gewesen zu sein. Die Wichtigkeit hier habe ich selbst ein wenig unterschätzt und bin deshalb umso mehr motiviert, die Basis für eine gesunde und langfristige Entwicklung zu legen.

Das „Kartenhaus“, wie es im Mai / Juni aufgebaut war, lief und radelte zwar recht schnell, war aber eben leider recht instabil. Aus Fehlern soll man ja bekanntlich lernen ; )

Beim Schwimmen gehen wir aktuell einen komplett anderen Weg und fangen hier bei sehr vielen Basics der Technik an, um gezielt ökonomischer und mit so wenig wie möglich Widerstand nicht „gegen“ sondern eher „mit“ dem Wasser zu schwimmen.

Macht nicht jeden Tag Spaß, wird aber langfristig auf jeden Fall den entscheidenden Schritt bei der Schwimmzeit bringen.

2020 ist fast vorbei, eigentlich ist nicht viel passiert. 2021 geht das Profi-Projekt irgendwie nochmal fast neu los… mit mehr Erfahrung, neuer & alter Motivation und hoffentlich mit ein paar Wettkämpfen!

Bis zum Ironman Hamburg sind es nur noch 24 Wochen – klingt irgendwie gar nicht mehr so viel ; )

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