Platz 5 in Lauingen. Bring on Roth!

Platz 5 in Lauingen. Bring on Roth!

Platz 5 beim Triathlon Lauingen in 3.48h. Klingt auf dem ersten Blick deutlich schöner, als es eigentlich war. Ist aber gleichzeitig auch besser als Platz 6, 7 oder 8 und ist vor allem deutlich besser als DNF, DSQ oder – wie eigentlich geplant – DNS.

PRE RACE

Die Tage vor dem Rennen waren leicht reduziert vom Training her. Auch wenn der Wettkampf „nur“ Vorbereitung für Roth sein sollte, wollte ich dann schon mit guter Frische am Start sein und keine 150km vom Vortag in den Beinen haben.

Gesteigerte Kohlenhydrataufnahme die Tage vor dem Start („Carboloading“‘) führte ich mit der bisher größten Präzision durch, und stellt hier ein wirklich gutes Gefühl fest, was mein Energielevel anging. (Über dieses Thema und über WK-Ernährung werde ich gesondert nach Roth noch einen Blog schreiben, wenn es dort (auch) funktioniert hat 😉 ).

Am Freitag schaute ich mir die Laufstrecke in Lauingen direkt vor Ort an, was nicht zu 100% klappte, da die Karte auf der Website nicht genau erahnen ließ, wo es den Abzweig gab. Man hätte auch meinen können, man läuft nicht, sondern schwimmt in der Donau. Aber zumindest zwei von fünf Kilometern kannte ich nun vorab.

Samstag war ich mit „meinem“ GETactive Athlet Valentin noch eine Runde in Lauingen im Wasser, da wir die Schwimmstrecke (zugegeben, nicht sehr anspruchsvoll) kennen und die Wege zur Wechselzone gleich einprägen wollten.

Startunterlagen abgeholt, die letzte Physio-Session für einen sehr stress-auslösenden Oberschenkel (es gab Tage vor dem Wettkampf, da wäre im Bett liegenbleiben die einzige schmerzfreie Variante gewesen. Schwimmen war aber meist dann auch eine akzeptable Lösung.) und noch einen Teller Nudeln.


Da war die Vorderrad-Welt noch in Ordnung 😉


Dann war auch schon Sonntag-Morgen.


5.00 Uhr Wecker, doppelter Espresso (der erste), Milchreis (vom Vortag, geht schneller) zum Frühstück, Flaschen exakt nach Gramm gewogen mit diversen Pülverchen und erstmals im Wettkampf angewendeten Mixturen befüllt, kurzes Stretching für ein paar Stellen und eine beruhigende & Lungen-Aktivierende 10-minütige Atemübung. Alles gut!

Bis ich mein Vorderrad aufpumpen wollte. Dieses Geräusch, wenn die Luft mit hohem Druck aus dem Reifen pfeift, will man nie hören – aber am Wettkampf-Tag ganz besonders nicht.

Eh ich überhaupt ernsthaft auf die Überlegung gekommen bin, es zu versuchen, einen neuen Tubeless Reifen auf das Laufrad zu montieren, ging ich in den Keller und holte mein 70er Vorderrad mit (ebenfalls Tubeless) Trainingsbereifung und ging davon aus, dass es nach mehreren Tausend Kilometern, die 80 des heutigen Tages auch noch halten würde.

Auf der einen Seite toll, wenn man neben dem 90er auch das 70er und 45er Vorderrad da hat, auf der anderen Seite natürlich ärgerlich weil es auf der Strecke wie in Lauingen einfach sehr viel um Aerodynamik geht und da ein schnelleres Laufrad und schnellere Bereifung einen kleinen Unterschied macht.

Völlig egal, ging nicht mehr zu ändern und unterm Strich war es gut, dass ich das Ding noch Daheim aufgepumpt hatte und nicht erst in Lauingen.

In Lauingen gab es zwei Wechselzonen zu bestücken und nach meinem Warm-Up und Einschwimm-Programm standen wir auch schon an der „Startlinie“ für meinen ersten Wettkampf seit September 2021.


Vor Ort in Lauingen beim Besichtigen der Schwimmstrecke mit Valentin.

RACE

20 Sekunden gefüllt mit Musik bis ein unter Badekappe kaum zu hörendes Startschüsschen ertönte. Ich reagierte schnell, war aber im Nachhinein leider zu weit mittig postiert, während rechts die Post abging.

Wie bescheuert: Fett mit Marker markiert steht auf meinem Taktik-Board „RECHTS STARTEN WEIL WENIGER SCHWIMMEN“. Der Blog von Tom Hohenadl ließ diese Information zu und die Aussage „ich bin nicht langsamer geschwommen, nur ein bisschen mehr“ ließ mich natürlich hellhörig werden.

Dazu kommt, dass Annalena – die da echt ein gutes Auge hat für solche Sachen – noch gerufen hat „weiter rechts!“.

Mein Gedanke: Der Start ist woanders als all die Jahre zuvor (macht super viel Sinn… Menschen hassen ja bekanntlich Gewohnheiten…) und es wäre einfach mal klug gewesen auf Frau, Blog und vor allem meine eigene Vorbereitung zu vertrauen.

So war ich „locked“ in einer Gruppe, die zwar flott unterwegs war, wo ich aber letztendlich „entspannt“ (nicht überheblich, aber es war verdammt angenehm beim Schwimmen einfach mal jemand permanent auf die Füße hauen zu können!) mitgeschwommen war. Ich hatte beim ersten und auch beim zweiten Landgang mir einen Blick über die Situation verschafft und mir war klar, dass ich das Loch zu der Gruppe weiter vorne nicht hätte schließen können. Überholen und alleine Schwimmen wäre die andere Option gewesen. Aber wofür? 20 Sekunden dafür so viel mehr Kraft investieren. Im Endeffekt denke ich habe ich den Umständen entsprechend hier taktisch klug agiert, den Start aber einfach verhauen.

Platz 10 hieß es mit knapp 6 min Rückstand auf die Spitze (normalerweise zu viel auf einer MD um es noch aufzuholen) und ca 3 min auf Christian Brader, den ich im Auge hatte, da er auch unter den Profis in Roth zu finden sein wird.

Ich denke seine Pace hätte ich mit gutem Start mitgehen können, aber hätte, hätte… bringt einen ja bekanntlich nicht wirklich ans Ziel.

Beim Radfahren hatte ich mehrere taktische Varianten im Kopf und nun war es der „B-Plan“, der zwar wohl keinen Kampf um die Spitze aber evtl. noch ums Podium zulassen würde.

Mein Plan war, auf der ersten Runde, wo noch wenig los war die Lücke so weit wie möglich zu schließen und dann zu sehen, wie weit es noch wäre.

Was braucht man dazu? Richtig! Ein Fahrrad. Und gute Beine. Letzteres hatte ich definitiv überhaupt nicht. Warum auch immer, aber ich bin nicht ansatzweise an die Watt gekommen, die ich treten wollte und im Training treten kann. Auf der ersten Runde eigentlich nur muskuläre Schwäche.

Und da ging mein Zug: Christian Burkhardt – als 11. Kurz nach mir aus dem Wasser überholte mich nach ca 6 Kilometern und ich HÄTTE definitiv mitgehen müssen aber war zu dem Zeitpunkt einfach kurz mit überleben auf dem Rad beschäftigt (Tatsächlich musste ich mich 4x auf der ersten Radrunden übergeben, vielleicht war neben Seewasser auch ein Fisch dabei oder so).

Die Rad-Performance wurde dem Umständen entsprechend ein wenig besser, ich holte Plätze auf aber der Abstand zur Spitze und zum Brader blieb immer relativ konstant. Auf der einen Seite gut, dass ich trotz Mädchenwatt (und 2 Kilo zu viel aktuell) einen 41er Schnitt fahren konnte (spricht für Aerodynamik) und vom Gefühl war es zumindest so, dass ich die Watt hätte auch die 180km fahren können. Auf der letzten Runde nahm ich ein klein wenig raus, weil ich mir eine gute Lauf-Performance sichern wollte.


Es sieht nach Laufen aus. Die Pace war aber nicht so, wie von mir geplant.
Foto: Christian Zwiekopf

Und da kommt das nächste suboptimale Erlebnis:

Bereits vor dem Wechsel in die Laufschuhe merkte ich enorme muskuläre Krämpfe am Oberkörper. Jetzt könnte man wieder spekulieren über Hitze, zu wenig Natrium und so weiter -aber eigentlich alles beachtet und alles umgesetzt. Aktuell ist es mir noch ein Rätsel und ich muss die letzten harten Trainingseinheiten in der Hitze nutzen, um hier zu testen und vor allem, um hier eine positive Lösung zu finden.

Die ersten 4 Kilometer waren purer Überlebenskampf und ich erkundigte mich sogar nach dem Abstand nach hinten, was man nie machen sollte, alleine schon aus selbst-psychologischer Sichtweise.

Extrem viel Kühlen an der ersten Verpflegungsstation brachte ein wenig Linderung und weiteres Kühlen konnte die Krämpfe auf ein Minimum reduzieren.

Wichtig für mich war, dass ich zum einen trotzdem nie Gehen musst und das es sich irgendwann doch noch nach „Laufen“ angefühlt hatte. Zudem kommt, dass eine Pace von 4-4.10 (ich weiß, damit gewinnt man keinen Blumentopf) sich extrem langsam, langweilig und locker angefühlt hat. Sehr negativ: Mal wieder konnte ich den Schalter auf „Zerstörungs-Modus“ nicht umlegen. Das heißt: Ich konnte nicht ansatzweise in die Region 3.40 min/km gehen, wo ich hin wollte. Ich wollte beim Laufen einfach riskieren, „hochzugehen“ und mit wehenden Fahnen unterzugehen, statt einen lockeren Halbmarathon ins Ziel zu bringen.

Aber vielleicht bin ich einfach auch mittlerweile zu sehr auf Langdistanz gepolt und dieses Mitteldistanz-Tempo ist nichts mehr für mich als alten, grauen Mann.
Vielleicht hatte das ganze Verletzungs-Thema doch mehr Auswirkungen, als ich es gedacht hätte.

Die Infos und die Anfeuerungen von „meinen Leuten“ am Streckenrand waren zumindest auf dem Level, wo ich hätte sein wollen: Nahezu perfekt. Besonders Annalena hat sich zusammen mit Sonja zum perfekten „On-Course-Coaching-Team“ entwickelt und so wusste ich genau, was vor und hinter mir los war.

Am Ende war es dann Platz 5 in der Gesamtwertung des Tages, ca 11 Minuten hinter dem Brader, den ich wie gesagt ein wenig als Maßstab nehmen wollte und genommen habe.

Beim Laufen habe ich auf ihn über 8 Minuten verloren, was eine ganze Menge ist.


Danke an alle die dabei waren! Nicht auf dem Bild sind übrigens meine Eltern. Irgendwer musste ja den Neoprenanzug aus der Wechselzone holen, den ich vergessen hatte 😉

So, viel Text mit dann doch wenig Inhalt.

Natürlich reflektiere ich alles und natürlich bin ich zum einen zufrieden, da Platz 5, da neue persönliche Bestzeit auf einer Mitteldistanz und da ich – wie ja oft genug erwähnt mittlerweile – vor ein paar Wochen eher an Triathlon-Rente anstelle von Wettkampf gedacht und mehr Arztbesuche als Trainingseinheiten hatte.
Wenigstens riecht der Trisuit jetzt nach Cola. Ansonsten sind keine weiteren „Schäden“ entstanden, außer eine schmerzhafte Fleischwunde am Fuß, da ich den Lauf mit einem Stein im Schuh gelaufen bin.

Alles im Gesamtkontext betrachtet, „muss“ ich happy sein mit dem Resultat. In Anbetracht dessen, wie viel ich in den Sport seit 2020 investiere, darf ich das nicht sein.

Aber, abgerechnet wird zum Schluss (der Saison) und die großen Dinger kommen jetzt erst. Ich hake das ganze als ein solides, halbwegs erfolgreich abgeschlossenes Testspiel ab, bevor die Saison jetzt eigentlich losgeht.

Das das heißt, dass ich mir für die Challenge und den dann folgenden Ironman viel vorgenommen habe und das unbedingt in Perfektion umsetzen will.

In diesem Sinne gibt’s den nächsten Test am 03. Juli. In Roth. 3.8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen – klingt anstrengend(er) als Lauingen, könnte aber im Großen und Ganzen einfach ein toller(er) Tag werden.

Vorbereitungen laufen. Hierzu bald ein Update, vor allem auch mit meinem konkreten Ziel für die Challenge.

Bis dahin, gesund & sportlich bleiben!

David


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